Wer hat das Elektrofahrrad erfunden?

Elektrofahrrad blickt auf 120-jährige Geschichte zurück

Die Fahrradindustrie hat angesichts einer stetig zunehmenden Nachfrage nach Elektrofahrrädern allen Grund zur Freude. Eines von vier Fahrrädern, das dieserzeit aus dem Geschäft rollt, ist mit einem Motor ausgestattet. Vielen stellt sich das Fahrrad mit Elektromotor als relativ neues, die Straßen und Berge eroberndes Phänomen dar. Da erstaunt es sehr, zu erfahren, dass die Anfänge bereits 120 Jahre zurückliegen.

Waren in den 1880er Jahren die ersten industriell gefertigten Akkus zunächst für den Bau von Elektroautos bestimmt, rüstete der US-Amerikaner Ogden Bolton Jr. das erste Fahrrad mit einem eben solchen aus, und ließ sich seine Erfindung – noch ohne Pedalantrieb – im September 1895 patentieren. Vier Jahre vergingen, bis schließlich der deutsche Ingenieur Albert Hänsel das erste Patent auf ein Elektrofahrrad mit Pedalantrieb anmeldete. Eine Serienproduktion blieb jedoch aus. Dem elektrischen Fahrrad, wie wir es heute kennen, sowohl im Aufbau als auch in den Eigenschaften schon sehr ähnlich, brachte schließlich das Elektromotoren-Unternehmen EMI in den 1930er Jahren das Simplex Elektrofahrrad in übersichtlicher Stückzahl auf den Markt.

Batterie-Eigenschaften verhindern für Jahrzehnte den Durchbruch

Etwa zeitgleich zur beginnenden Produktion des Simplex Elektrofahrrads widmete sich ein Londoner Unternehmen der Entwicklung eines Fahrrads mit Nabenmotor im Hinterrad. Auf das Prinzip der Energierückgewinnung setzend, war es das Ziel, den Motor auch als Bremse nutzen zu können und mit der gewonnenen Energie den Akku wieder aufzuladen. Dass trotz der vielen Tüftler bis in die 1990er Jahre kaum jemand ein Elektrofahrrad zu Gesicht bekam, lag an den Batterien, welche ein hohes Gewicht hatten und nur eine geringe Reichweite ermöglichten.

Revolution durch Power-Assist-System

Mit Hercules Elektra, Diamant City-Blitz und Schachner Solar Bike zählte 1992 der Markt weltweit insgesamt drei Elektrofahrräder. Führend waren zu dieser Zeit die Marken Kynast und Yamaha. 1994 gilt insofern als Meilenstein der E-Bike-Geschichte, als dass das von Yamaha entwickelte Power-Assist-System (PAS) es ermöglichte, die Unterstützung des Motors zu regeln. Hierzu messen Sensoren zuvor die Muskelkraft und leiten den gewonnenen Impuls an den Motor weiter.

Die Bezeichnung Pedelec trug erstmals das Sparta Ion, ein Prototyp aus dem Jahre 2001, dessen Motor in der Hinterradnabe, und Akku versteckt war. Mit dem Siegeszug der sehr leistungsfähigen Lithium-Ionen-Akkus war das Elektrofahrrad als Randerscheinung endgültig Geschichte. Pedelecs und E-Bikes überzeugen heute mit ihren immer größeren Reichweiten nicht nur aktive Senioren. Auch junge Radfahrer finden an den Fahrrädern mit Hilfsmotor, die neben einer ausgereiften Technik eine elegante Optik und viel Komfort bieten, zunehmend großen Gefallen.

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